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BAI kritisiert Präsident der BaFin
Die Rede des Präsidenten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Jochen Sanio
News vom: 11.10.2005

...hat die Diskussion über Hedge-Fonds nach der Heuschrecken-Debatte erneut entfacht. Seitdem irren Zitate über „schwarze Löcher“ und die „Stabilität des Weltfinanzsystems“ durch die Medienlandschaft. Der Bundesverband Alternative Investments e.V. (BAI) nahm inzwischen in einer Presseerklärung zur Thematik Stellung. DER FONDS.com sprach mit dem Vorstandsmitglied Michael Busack über die Tragweite der Diskussion. Bei der BaFin war auf Anfrage niemand zu einem klärenden Gespräch bereit.

DER FONDS.com: Der Bafin Präsident Jochen Sanio bezeichnete unregulierte Hedge-Fonds als „schwarze Löcher“ und „Gefahr für die Stabilität des Weltfinanzsystems“. Wie sehen Sie diese Äußerungen?

Michael Busack: Ich halte sie für sehr undifferenziert. Herr Sanio wirft alle Hedge-Fonds-Manager, -Stilrichtungen und -Anlagestrategien in einen Topf und fällt so ein nicht zutreffendes Pauschalurteil. Das ist generell, aber auch für den Finanzplatz Deutschland, kontraproduktiv. Gerade bei Investoren, die sich mit der Materie noch nicht ausführlich beschäftigt haben, bleiben diese Aussagen im Gedächtnis. Dadurch entsteht ein falscher Eindruck von einer Anlageform, die weltweit von vielen institutionellen und privaten Investoren genutzt wird.

DER FONDS.com: Welche Wirkung können seine Aussagen noch haben?

Busack: Der Hedge-Fonds-Markt in Deutschland ist noch jung. Bei vielen institutionellen Anlegern ist die zweite Management-Ebene von Hedge-Fonds als alternative Anlageform inzwischen überzeugt. Sie hat die entsprechenden Gespräche mit Anbietern bereits geführt und die Produkte verstanden.

Die oberste Leitungsebene sowie Aufsichts- und Beiräte haben ihr Okay jedoch noch nicht gegeben, weil sie gar nicht die Zeit hat, sich intensiv in dieses Thema hineinzuarbeiten. Wenn diese Entscheidungsträger dann derartige negative Äußerungen vom Präsidenten der deutschen Aufsichtsbehörde hören, kann das ihre Entscheidung negativ beeinflussen. Das ist schlecht für einen Markt, den die Bundesregierung im Jahr 2004 mit neuen Gesetzen eigentlich fördern wollte. Nicht zuletzt hängt an diesem Erfolg auch die Zukunftsfähigkeit Deutschlands bei innovativen Kapitalmarktprodukten.

DER FONDS.com: Welcher Art ist nun das Verhältnis zwischen BAI und BaFin?

Busack: Unser Verhältnis zur BaFin ist sehr gut. Wir haben im Rahmen des Gesetzgebungsprozesses für das neue Investmentgesetz eng mit den Mitarbeitern der BaFin und des Bundesfinanzministeriums zusammengearbeitet. Wir möchten, dass die Aufsichtsbehörden Einblick in die Arbeitsweise der Hedge-Fonds gewinnen können und sind daher auch aktuell im Dialog mit allen relevanten Abteilungen innerhalb der BaFin.

Es ist verständlich, dass man unbekannten Dingen gegenüber skeptisch ist, und wir verstehen auch die Interessenlage einer Finanzaufsicht. Daher machen wir uns für eine entsprechende Aufklärung unter den Anlegern aber auch den Behörden stark. Für konstruktive Gespräche, die durchaus Problembereiche der Industrie betreffen, sind wir jederzeit bereit.

DER FONDS.com: Aber liegt denn Herr Sanio falsch, wenn er behauptet, Hedge-Fonds können den Finanzmarkt gefährden?

Busack: In dieser Ausschließlichkeit, ja. In Hedge-Fonds werden weltweit nur rund eine Billion Dollar verwaltet. Das ist ein Bruchteil des gesamten weltweiten Anlagevermögens. Innerhalb der Hedge-Fonds-Branche gibt es Hunderte verschiedener Anlagestrategien. Da können Sie mit einem einzelnen Fonds nicht die Finanzwelt aus den Angeln heben.

DER FONDS.com: Beim Long Term Capital Management (LTCM), der im Jahre 1998 pleite ging, war es doch aber so.

Busack: Das Problem für die darauf folgende Finanzkrise war nicht der Fonds allein. Vielmehr gab es einige Banken und Brokerhäuser mit enormen Anlagesummen, die seine Anlagetaktik kopiert hatten. Dadurch hatte sich die Wirkung vervielfacht.

DER FONDS.com: Was halten Sie von der Forderung der BaFin nach mehr Transparenz über die Aktionen der Hedge-Fonds-Manager?

Busack: Den Ruf nach höherer Transparenz finde ich in Ordnung. Da unterstütze ich jede Art von Aufklärung. Jedoch sollten neue Regelungen die Fonds-Manager in ihrem Handlungsspielraum nicht einschränken. Sie müssen ihre Transaktionen ungehindert umsetzen können. Alles andere ist schlecht für den Hedge-Fonds-Markt Deutschland.

Noch wichtiger finde ich, dass auch die Initiatoren von Hedge-Fonds und Dach-Hedge-Fonds durchleuchtet werden und deren Strategien genau auf entsprechende Risiken analysiert werden. Dadurch können Unfälle wie mit dem LTCM verhindert werden. Uns geht es darum, negative Folgen für Finanzmarkt und Investoren so gut wie möglich auszuschließen. Das geht aber nur im Rahmen einer ausgewogenen und weltweiten Vorgehensweise. Pauschalurteile und kollektive Schuldzuweisungen in Richtung der weltweiten Hedge-Fonds-Industrie bringen uns da nicht weiter. Sie ist vielfach Vorreiter in Sachen Risikomanagement und Stresstest-Szenarien.

INFO: Michael Busack beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit alternativen Investments und gründete 2001 die Absolut Research GmbH mit Sitz in Hamburg. Er ist seit 1999 Vorstand im Bundesverband Alternative Investments e.V. (BAI).

                                                                                                Quelle: derfonds.com

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