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Interview mit Markus Sievers von apano
Mit Herrn Sievers startet unsere Interviewserie. In den nächsten Wochen bringen wir weitere Interviews mit Verantwortlichen und Fondsmanagern.
News vom: 26.05.2009

HEDGECONCEPT startet eine Interviewserie mit Fondsmanagern und Verantwortlichen von Gesellschaften aus dem Bereich der Alternativen Investments. Zum Start haben wir mit Markus Sievers von apano über die aktuelle Situation der Hedgefondsbranche und über das neue apano Global Futures Garantiezertifikat 4 (GFF 4) gesprochen.

                               
 

Hedgeconcept.de: Herr Sievers, vor wenigen Tagen ist Ihr neues Produkt gestartet, das apano Global Futures Fund Garantiezertifikat 4. Sie setzen hierin neben der Garantiekomponente wieder auf das Trendfolgemodell von AHL. Aus welchem Grund?

 

Markus Sievers: Die Basis bei AHL ist ein Trendfolgemodell, das stimmt. Der Ansatz im System ist mittlerweile stark wissenschaftlich geprägt durch die Zusammenarbeit von Man und der Oxford University. Ich würde es daher als ein Multi-Strategie-Modell bezeichnen. In den Modellen werden in der Rückwärtsbetrachtung Muster und Korrelationen analysiert. In der Feinsteuerung ist das System dadurch mehr als ein reiner Trendfolger.

Den Vorteil eines solchen Modells hat man letztes Jahr sehr schön gesehen. Trendfolger hängen eben nicht nur von einer Marktrichtung ab. Es wird immer Trends an den Märkten geben, wie beispielsweise im letzten Jahr beim Öl. Und Trendfolgemodelle werden diese auch immer zu nutzen wissen – je nach Anbieter mehr oder weniger gut.

 

 

Hedgeconcept.de: Könnte es durch das aktuelle Volumen im Handelssystem von rund 20 Mrd. US-$ Nachteile für das System geben?

 

Markus Sievers: Vor zehn Jahren hat jeder gesagt, wenn ein Trendfolger zu groß wird, bestimmt er seine Trends selbst und verliert an Leistung, also Performance. Kleine Trendfolger seien somit attraktiver als große. Ich sehe es genau umgekehrt. Wir haben heute ein „Wettrüsten“ der Technologien. Der technische Aufwand ist heute bereits enorm hoch und wird immer wichtiger. Heute ist es wichtig, die ganze Abwicklung so hinzubekommen, daß man keine „Fußspuren“ hinterlässt und auch nicht kopierbar wird. Ein Beispiel: die Hälfte aller Trades des Tages, ca. 2000 Stück, werden bei AHL in ca. 3 Sekunden über eine elektronische Handelsplattform über verschiedene Broker abgewickelt. Neben diesen technischen Vorteilen gilt es backups zu haben für technische Ausfälle, z.B. Stromausfall oder wenn Menschen durch Verspätungen oder Krankheit ausfallen. Mal ganz abgesehen von der Manpower, die sie für die Regulierung benötigen. Für kleine Gesellschaften wird es schwer sich all das leisten zu können.

Große nutzen da die economies of scale, aber: diese sind eben auch kein Automatismus.

 

 

Hedgeconcept.de: Und könnte das Volumen Probleme bereiten?

 

Markus Sievers: Die Managed Futures Industrie hat aktuell etwa ca. 250 Mrd. US-$ Assets under Management, AHL also etwa 10% davon. In den Terminmärkten insgesamt werden etwa 14.000 Mrd. US-$ bewegt. Auf den Gesamtmarkt betrachtet ist AHL also eigentlich sehr gering. Natürlich können manche commodities nicht mehr so gehandelt werden wie früher, allerdings machen gerade landwirtschaftliche Produkte beim Handel aufgrund der hohen Transaktionskosten erst ab bestimmten Größen Sinn. Heute wie vor Jahren beträgt der Anteil von landwirtschaftlichen Produkten im Portfolio ca. 25%. Der Währungsanteil ist höher, was daran liegt, daß hier geringere Korrelationen herrschen. In den Aktienmärkten haben sie hohe Korrelationen. Demnach ist die Verteilung auf verschiedene Märkte aus Risikostreuungsgründen weniger gewinnbringend für das Gesamtportfolio.

 

Hedgeconcept.de: Wieso nehmen Sie nicht auch andere Partner mit ins Produkt?

 

Markus Sievers: Wir haben Man in den letzten Jahren sehr schätzen gelernt. Wobei ich betone, daß es keinerlei Kapitalverflechtungen gibt. Wir können über Man auch in die Erfahrung von anderen Häusern investieren. Der Punkt, wieso diese Produkte noch nicht in Deutschland sind ist, daß der Anlagebedarf noch nicht so da ist. Derzeit sind – salopp gesagt – Trendfolger im Trend, auch in Deutschland. Aber beispielsweise in der Schweiz gehören Hedgefonds schon immer wie selbstverständlich in ein Portfolio – auch nach 2008. Es wird eventuell über den Anteil, die Anbieter und die Strategien diskutiert. In Deutschland wird immer noch über das „Ob“ diskutiert.

Zudem sind wir mit der Partnerschaft sehr zufrieden: apano hat in 2008 mit den auf dem AHL-System basierenden Produkten vom Volumen her das bisher erfolgreichste Jahr gehabt, trotz Finanzkrise.

 

Hedgeconcept.de: Für wen eignet sich das Zertifikat?

 

Markus Sievers: Das Zertifikat eignet sich für Investoren, denen ein mittel- bis langfristiges Investment vorschwebt. Zudem ist es als Portfolio-Beimischung gedacht: Sinnvollerweise sollte die Allokation in Managed Futures bei 20% liegen.

 

 

Hedgeconcept.de: Aktien haben 2008 ein Katastrophenjahr gehabt. Ist long only tot?

 

Markus Sievers: Der Long only Ansatz ist in 2008 für Privatanleger gestorben, für Institutionelle bereits vorher. Bildlich gesprochen: Kostolany ist 2008 zum 3. Mal gestorben: 1999 tatsächlich, 2000 in der ersten Krise und jetzt 2008 in der 2. Krise. In diesen zehn Jahren erzielten Aktien keine positive Wertentwicklung. Der Aktienhype, der Mitte/Ende der 90er entstand, u.a. mit Manfred Krug und der Telekomkampagne,  hat viele von Aktien Enttäuschte hinterlassen.

Der BVI (Bundesverband Investment und Asset Management e.V., Anm. des Verfassers) hat Ende 2008 seine Statistik veröffentlicht. Aktienfonds sind selbst bei einem zurückliegenden Anlagehorizont von 20 Jahren im Minus. Bei 25 Jahren haben sie eine Rendite auf Sparbuchniveau, erst bei 30 Jahren liegen sie bei etwa 7% pro Jahr.

Hedgefonds liegen bereits 3 Jahre zurückbetrachtet im Plus. Und für die war 2008 auch ein sehr schlechtes Jahr. Bereits bei einer Rückwärtsbetrachtung von 4 Jahren werden die Renditen attraktiv.

 

 

Hedgeconcept.de: Welche Veränderungen sehen Sie durch die Finanzkrise, gerade für die Hedgefondsbranche?

 

Markus Sievers: Übergeordnet betrachtet kann ich sagen, Risiken werden wieder erkannt, und die Menschen sind bereit für weniger Risiko auch zu bezahlen. Der Investor bekommt eine Prämie dafür, wenn er beispielsweise eine Unternehmensanleihe kauft im Vergleich zum Kauf einer Staatsanleihe. Das war über Jahre anders.

Es wird zudem mehr Gewicht auf das Risikomanagement gelegt. Die Forderung nach Transparenz und Liquidität kommt besonders von institutioneller Seite. Viele wissen nicht, daß die Terminmärkte zu den transparentesten und am stärksten regulierten überhaupt gehören. Managed Futures erfüllen diese Voraussetzungen also schon immer. Für die anderen Strategien in der Hedgefondswelt bedeutet dies Managed Accounts, bei Managed Futures ebenfalls schon längst Standard.

Die Produktwelt wird sich schließlich aus meiner Sicht in zwei Teile aufteilen: liquide und illiquide. Bei den illiquiden sind die Halte-und Kündigungsfristen deutlich länger und das wird den Anlegern auch so bewusst sein. Mischfonds aus liquiden und illiquiden Teilen wird es wohl bald nicht mehr geben.

 

Hedgeconcept.de: Wie wird die Regulierung in den Alternativen Anlagen umgesetzt?

 

Markus Sievers: Regulierung und Kontrolle sind wichtig: zukünftig wird das auch für alle Investoren wichtig sein. Es muss das Managerrisiko kontrolliert werden, also der Manager bzw. das Managementteam selbst. Es ist hierbei egal von wo aus dieser agiert und in welchem Land der Fonds ansässig ist. Wieso hat sich denn die Offshore Lösung international durchgesetzt? Damit es eine einheitliche internationale Lösung gibt. In Europa konnte man sich genau darauf nicht einigen und die individuellen Lösungen für jedes Land sind schlicht und einfach zu teuer.

Managed Futures sind die regulierteste Strategie im Hedgefondsbereich. Sie nehmen damit schon heute eine Sonderstellung ein, weil sie hochreguliert, hochtransparent und hochliquide sind. Man Investments als Beispiel hat eine Zulassung in 15 Ländern und wird durch 19 Behörden kontrolliert.

 

 

Hedgeconcept.de: Welche Auswirkungen sehen Sie auf Regulierungen in der Finanzbranche insgesamt?

 

Markus Sievers: Die Krise ist nicht durch Hedgefonds entstanden, sondern durch Banken. Diese sind so reguliert wie kaum eine andere Branche weltweit. Ergo: nicht zu wenig Regulierung ist schuld, es mangelt an der richtigen Umsetzung. So schreibt beispielsweise die französische Edhec, dass sowohl eine falsche Regulierung als auch eine Überregulierung die Krise begünstigt haben. Fazit: Es geht für die Zukunft gesehen nicht um ein Mehr an Regulierung, sondern um eine bessere.

 

 

Hedgeconcept.de: Herzlichen Dank.

 

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