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Managerinterview mit Jasmin Nezirevic
Wir haben mit Jasmin Nezirevic von Prometheus Asset Management über den Prometheus Global Turnaround Trends gesprochen.
News vom: 12.05.2010

Jasmin Nezirevic ist mitverantwortlicher Fondsberater des Prometheus Global Turnaround Trends (WKN: A0M8DV) und Geschäftsführer von P.A.M. Prometheus Asset Management. Darüber hinaus ist die Langenfelder Investmentboutique für drei weitere Investmentfonds verantwortlich.


                                                                 


Hedgeconcept.de: Herr Nezirevic, sie beraten den Prometheus Global Turnaround Trends im Team. Wie sieht bei Ihnen die Aufgabenverteilung aus?

Jasmin Nezirevic: Wir sind zu viert für das Management verantwortlich. Entscheidend für unseren Erfolg ist allerdings unser selbst entwickeltes quantitatives Handelssystem, das sehr robust läuft. Unser know-how ist im Zweifel also auf Dritte übertragbar. Damit bieten wir die Vorteile einer Investmentboutique,  nicht aber deren Nachteile, denn ein Schlüsselpersonenrisiko gibt es für unsere Anleger nicht.


Hedgeconcept.de: Wie funktioniert ganz einfach gesagt Ihr System?

Jasmin Nezirevic: Ganz einfach gesprochen erfolgt eine Komplexitätsreduzierung. Wir machen nur die Dinge, die wir verstehen. Gemäß unserer Strategie investieren wir in die 5 größten Verliererbörsen von gestern und erwarten uns aufgrund des mathematischen Aufholpotentials eine Outperformance.
Selbst der schlichte Kauf der 5 Vorjahresverlierer zum 1. Januar würde schon deutliche Outperformance bringen. Das haben unsere Berechnungen gezeigt. Der maximale Verlust hätte wie beim weltweiten Aktienmarkt bei rund -56% gelegen, bei allerdings viel besserer Performance. Wir wollen aber nicht diese riesige Schwankungsbreite – insbesondere nach unten natürlich. Unsere Erfahrung zeigt, daß der Großteil der Anleger genau damit nicht leben will. Deshalb haben wir zusätzlich ein Risikooverlay in den Handelsansatz integriert, um die Ein- und Ausstiegszeitpunkte besser zu timen. Ein sehr schönes Beispiel hierfür ist das Jahr 2008. Wir wußten welche Märkte wir kaufen wollen, bekamen aber keine Kaufsignale. Somit blieben wir zum größten Teil des Jahres in Cash.
Die durchschnittliche Aktienquote im Fonds lag in 2008 bei gut 8%, in 2009 bereits bei durchschnittlich 56%. Per Ende April liegt die Aktienquote für 2010 im Fonds bei knapp 90% im Schnitt.


Hedgeconcept.de: Soweit klar. Wonach unterscheiden Sie dann welchen Fonds Sie für ein definiertes Land kaufen?

Jasmin Nezirevic: Unsere Rückrechnung (bis 2007, Fondsstart am 28.12.2007,  Anm. Hedgeconcept) basiert nur auf Indizes. Wir versuchen in der täglichen Praxis allerdings Fonds herauszufischen, die in einem Bullenmarkt besser laufen als der Marktindex, also Beta liefern. Das ist ein schlichter rein quantitativer Ansatz. Falls es keinen vernünftigen Kandidaten gibt, kaufen wir einen Index-ETF, um zumindest die exakte Marktperformance abzubilden. Für sich genommen sehen die einzelnen Zielinvestments sehr spekulativ aus. Der Normalanleger würde da rein von der emotionalen Seite sicherlich einige Probleme mit haben.


Hedgeconcept.de: Wie werden in Ihrem Risikooverlay die Signale erzeugt?

Jasmin Nezirevic: Es gibt bei uns keine Antizipationsmechanismen, nichts Komplexes. Wir haben kein mathematisches Genie engagiert, daß Ihnen theoretische Traumzahlen berechnen kann. Es ist aus unserer Sicht deutlich erfolgreicher, sehr diszipliniert nach einem einfachen Regelsystem zu handeln. Beispielsweise hätte eine Orientierung an einfachen gleitenden Durchschnitten zum Ein- und Ausstieg als „Hausfrauenmethode“ Anlegern in den vergangenen Jahren gute Renditen ermöglicht und große Verluste erspart. Ganz bewusst wollten wir unser System nicht überoptimieren. Das ist auch gar nicht nötig. Bei uns passen die theoretische Rückrechnung und die Praxis zu 100% zusammen.


Hedgeconcept.de: Wie hat sich der Ansatz in der Praxis bewährt?

Jasmin Nezirevic: Es gibt bei uns keinen Unterschied zwischen backtest und Echtgeldergebnissen. Unser System ist robust und funktioniert live genauso wie in der Betrachtung der Vergangenheit. Komplexe Modelle sind rückwärts betrachtet klasse, funktionieren aber häufig nicht in der Zukunft.
Unsere Strategie ist schlicht momentumbasiert. Sie können ein System ganz leicht prüfen, indem Sie die Wertentwicklung ähnlicher Marktphasen in der Vergangenheit mit dem Live-Betrieb vergleichen. Sind die Linien praktisch deckungsgleich, dann funktioniert´s. Gibt es große Abweichungen, funktioniert es nicht. Die Robustheit ist entscheidend! In unserer Vergangenheitsbetrachtung haben wir lediglich die Ergebnisse der Indizes herangezogen und nicht die bessere Performance irgendeiner Fondsauswahl. Wobei wir jetzt in der Praxis feststellen, daß durch die Auswahl der richtigen Fonds die Performance tatsächlich noch besser ist. Das ist ein zusätzlicher Puffer bzw. das i-Tüpfelchen auf die Performance.


Hedgeconcept.de: Der Prometheus Global Turnaround Trends ist Ende 2007 zum denkbar schlechtest möglichen Zeitpunkt gestartet.

Jasmin Nezirevic: Stimmt, aber die Ergebnisse der Rückrechnung decken sich mit dem Echtbetrieb 1:1. Wir haben in 2008 nach Signalen gelechzt, aber die Kaufsignale kamen nicht.
Unser Konzept basiert auf einfachen mathematischen Betrachtungen. Bei einem Verlust von 80% bietet der Markt bis zum Höchststand mathematisch deutlich mehr Aufholpotenzial – in diesem Fall eine mögliche Verfünffachung des Einsatzes. Bei einem Verlust von 50% sprechen wir lediglich von einer Verdopplung um wieder pari zu sein. Daher setzen wir mit unserem Fonds auf die größten Verlierermärkte. Bei unserem Ansatz sind wir allerdings auf die Erreichung der alten Höchststände gar nicht angewiesen.


Hedgeconcept.de: Wie meinen Sie das?

Jasmin Nezirevic: Das ist das, was vielen zuerst nicht nachvollziehbar erscheint. Nehmen Sie folgendes Beispiel: wenn ein Land bzw. der Aktienindex eines Landes 80% verloren hat - nehmen wir dazu Irland als aktuelles Beispiel. Dann ergibt eine optisch kleine Gegenbewegung des Marktes von -80% auf - 50% des Ursprungsniveaus für den antizyklischen Investor eine Performance von stattlichen 150% (Index steigt von 20% auf 50% seines Ursprungswertes, Anm. Hedgeconcept).


Hedgeconcept.de: Schönes Beispiel. Sie sind nun seit fast 20 Jahren in der Branche…

Jasmin Nezirevic: Ja, seit 1992.


Hedgeconcept.de: Welche interessanten Erfahrungen sind Ihnen da in Erinnerung geblieben?

Jasmin Nezirevic: Ende der 90er habe ich Geld an den Börsen in Lateinamerika verloren. Da hatte ich ein Gespräch mit meiner Frau, irgendwann mußte ich sie ja informieren. Meine Frau fragte, „wieso?“ Ich sagte, „weil die Börsen gefallen sind!“ Darauf meine Frau: „Und warum sind wir nicht vorher raus?“ - Die Frage ist ja absolut berechtigt. „Weil ich das nicht vorher wußte, Schatz!“ - „Und ich dachte, Du steigst immer erst ein, kurz bevor es hochgeht.“ Das hört sich trivial an, ist aber sehr vereinfacht genau die Idee, die wir in unserem Fonds heute umsetzen.


Hedgeconcept.de: Die Blase 2000 ist noch immer in guter Erinnerung, obwohl schon 10 Jahre her.

Jasmin Nezirevic: Gerade in dieser Phase haben wir noch mal sehr viel dazu gelernt. Wir haben ja seinerzeit für unsere Kunden die Portfolios noch klassisch, also nach fundamentalen Kriterien strukturiert. Gerade das direkte Gespräch mit dem Anleger – mit allen Emotionen – bringt da riesige Erfahrungen. Anfang 2000 rief mich ein guter Kunde an und wollte einen japanischen Nebenwertefonds kaufen, der 1999 über 500% gewonnen hatte. Ich habe versucht ihm zu erklären, was da passiert ist und habe ihm den Chart, in der Hoffnung das verdeutlicht den exorbitanten Kursanstieg besser, auf einem Blatt hochkant zugeschickt. Er meinte dann, er will trotzdem investieren. Ich versuchte ihn zu sensibilisieren, aber er meinte dann – und jetzt kommt´s – es reiche ihm ja, wenn der Fonds dieses Jahr nur die Hälfte gewinnt, also 250%! (lacht).


Hedgeconcept.de: Das könnte ein Klassiker werden…

Jasmin Nezirevic: Na, wir wissen ja, was dann passiert ist… Trauriges Beispiel, aber da macht´s „klick“ im Kopf. Und 2000 bis 2003 haben wir dann gelernt, daß unser guter alter DAX eben mal 75% verlieren kann. Derartige Massenhysterien und –euphorien wird es immer geben. Fonds haben die größten Mittelzuflüsse nahe ihrer Höchststände. Das ist doch eigentlich schlicht krank, verdeutlicht aber in idealer Weise das Hauptproblem des Anlegers. Gerade in dieser Zeit wurzeln die Grundzüge unseres antizyklischen Investmentansatzes. Wahrscheinlich würde unser Handelssystem heute gar nicht ohne diese Erfahrungen existieren. Die Masse verhält sich prozyklisch. Die Emotion treibt die meisten Anleger zu komplett falschen Entscheidungen.


Hedgeconcept.de: Sehen Sie ein solches Vorgehen, wie sie es machen, also ein Handelsalgorithmus, der sozusagen die Emotionen „aussperrt“, für die Zukunft als Mittel der Wahl oder werden jetzt wieder die Buy-and-Hold-Strategien erfolgreicher werden?


Jasmin Nezirevic: An ein Comeback des Buy-and-Hold glaube ich nicht. Die Geschwindigkeit hat zugenommen, die Zyklen haben sich verkürzt und die Schwankungen haben zugenommen. Darüber hinaus ist ganz besonders die emotionale Seite zu beachten! Das emotionale Durchhalten des Investors ist das was schwer ist. In den letzten 10 Aktienjahren gab es zwi massive Drawdowns. Das ist schon ´ne ordentliche Packung. Welcher Anleger ist da noch in der Lage, dies emotional durchzuhalten und vernünftige Entscheidungen für sein Vermögen zu treffen?
Die Masse der Produktanbieter und Finanzdienstleister scheint dies noch nicht wahrgenommen zu haben. Sie bei Hedgeconcept identifizieren ja ganz gezielt verschiedene mit aktivem Risikoansatz verwaltete Konzepte. Das ist außergewöhnlich. Die Masse tut das aber nicht, was ja auch gut für uns ist, denn sonst würde unser System wohl nicht so gut funktionieren.


Hedgeconcept.de: Interessant ist unsere Erfahrung, daß insbesondere bei kleinen Fondsgesellschaften und Vermögensverwaltern diese Offenheit für neue Konzepte und Ideen da ist. Bei den bekannten großen Häusern sehen wir kaum Ansätze. Ihre Boutique mit insgesamt vier Produkten ist da ein sehr gutes Beispiel.


Jasmin Nezirevic: Vielen Dank. Mittlerweile managen wir insgesamt über 120 Mio. EUR und bekommen zunehmend mehr „Rückenwind“. Der Ansatz wird angenommen und auch nachgefragt. Das freut uns sehr und bestätigt die Qualität unserer Arbeit.


Hedgeconcept.de: Wir wünschen weiter viel Erfolg und vor allem eine gute Wertentwicklung. Vielen Dank für ihre Zeit.

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