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Was treibt den Hedge-Fonds-Boom?
Wie entwickelten sich Hedgefonds von den Anfängen bis heute und wie steht es um Kontrolle und Risiko?
News vom: 24.10.2006

Alfred Winslow Jones ahnte im Jahre 1949 noch nicht, daß eine angeblich von ihm erfundene Anlagestrategie zu einer ganzen Branche von mehr als einer Billion Dollar aufblühen würde. Damals begann der amerikanische Journalist, sich gegenseitig ausgleichende oder gar „Short-Positionen“ in Aktien aufzubauen, um das Aktienmarktrisiko abzusichern. Über mehr als die nächsten 50 Jahre entwickelte sich diese Methode, die wir unter dem Namen Hedge-Fonds kennen, nur langsam - um dann Ende der 1990-er Jahre zu explodieren.

Heute sind diese Anlageinstrumente an den globalen Kapitalmärkten fest verwurzelt und daher hält Standard & Poor's Ratings Services es für notwendig, daß die Öffentlichkeit mehr über Hedge-Fonds und einige mit der Branche verbundene Mißverständnisse weiß. Dies ist heutzutage deshalb besonders wichtig, weil institutionelle Anleger zwar nach wie vor etwas zurückhaltend in Bezug auf Hedge-Fonds sind, jedoch mehr Interesse zeigen und sie vermehrt in ihre Portfolios aufnehmen.

Im Folgenden werden einige häufig gestellte Fragen über die Branche beantwortet.

Wie groß ist die Hedge-Fonds-Branche heute?

Zunächst ist zu beachten, daß Hedge-Fonds nach Auffassung von S&P zwar üblicherweise als Gruppe zusammengestellt und manchmal als Anlagegattung bezeichnet werden, jedoch grundsätzlich nur eine Anlagestruktur sind. Diese Struktur hat die Form einer Personengesellschaft zur privaten Anlage. Die Investitionen in solche Gesellschaften oder Strukturen wurden seit jeher von vermögenden Privatpersonen dominiert - jedoch vielleicht nicht mehr lange, da die Hedge-Fonds weiterhin an Größe und Diversifizierung zunehmen.

Was die Größe der Branche betrifft, so sind Hedge-Fonds nicht zur Meldung ihrer Zahlen verpflichtet und daher läßt sich die Höhe der jährlichen Anlagen nicht genau angeben. Nach Schätzungen von JPMorgan Chase stiegen ihre Anlagen jedoch um das Zwanzigfache, von 38 Milliarden Dollar im Jahr 1990 auf 817 Milliarden Dollar im Jahr 2003, während sich die Anzahl der Fonds im gleichen Zeitraum um das Vierfache erhöhte, von 2.000 auf heute über 8.000.

Nach Berechnungen der SEC liegt das Vermögensverwaltungsvolumen in der Größenordnung von 1,2 Billionen Dollar. Van Hedge Fonds Advisors prognostiziert, daß im Jahre 2008 weltweit 11.700 Hedge-Fonds tätig sein und über ein Vermögen von 1,7 Billionen verfügen werden. Die meisten Branchenteilnehmer sind sich einig, daß weltweit im Jahre 2005 über 200 Milliarden Dollar in Hedge-Fonds angelegt wurden.

Wenn Hedge-Fonds eigentlich nichts falsch machen, warum tun sie dann so geheimnisvoll?
Da sie im allgemeinen als Personengesellschaften zur privaten Anlage strukturiert sind, ist Hedge-Fonds die Werbung oder allgemeine Verbreitung von Informationen über ihre Produktangebote an Personen und Institutionen, die nicht bestimmte Mindestfinanzkriterien erfüllen, gesetzlich verboten.

Darüber hinaus betreiben viele Hedge-Fonds-Manager Strategien, in denen sie Gewinne für ihre Anleger erzielen, indem sie die Preisdifferenzen zwischen einander ähnlichen Wertpapieren nutzen. Daher sind sie der Meinung, daß die Veröffentlichung ihrer Positionen in Echtzeit für ihre Kunden von Nachteil wäre.

Ebenso wie große Investmentbanken sind diese Manager nicht verpflichtet, Positionen ihrer Eigenhandelstätigkeiten der Öffentlichkeit bekannt zu geben. Ihre Long-Positionen in Aktien sind jedoch auf der Website der SEC zu finden, ebenso wie diejenigen anderer institutioneller Anleger.

Warum werden Hedge-Fonds nicht reguliert?

Die Regulation ist der größte Entwicklungsschritt, vor dem der Markt steht. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind Hedge-Fonds von der SEC-Aufsicht nach dem Gesetz über die Investmentgesellschaften von 1940 befreit, solange sie bestimmte Anforderungen erfüllen, wie etwa nicht mehr als 99 Anleger zu haben oder ihre Fonds nur an qualifizierte institutionelle Käufer mit einem anlagefähigen Vermögen von mindestens fünf Millionen Dollar zu vergeben.

Die SEC versuchte Anfang des Jahres, Registrierungsvorschriften zu erlassen, wurde jedoch von einem Bundesgericht gestoppt. Dadurch sind die Abschlüsse und Strategien von Hedge-Fonds wenig transparent, zumindest in den Vereinigten Staaten. Dennoch haben institutionelle Anleger - insbesondere Pensionsfonds - mehr Informationen verlangt. Sie streben eine weit umfangreichere Offenlegung an, so daß sie die Risiken, die sie eingehen, und das Anlageverfahren gelassener betrachten können.

Die Hedge-Fonds waren jedoch mit der Veröffentlichung dieser Informationen sehr zurückhaltend, da viele Manager befürchten, sie würden damit ihre bestgehüteten Anlagegeheimnisse offen legen, Gefahr laufen, ihren Vorsprung vor den Wettbewerbern zu verlieren, und sich möglicherweise gegenüber dem sogenannten Predatory Trading anfällig machen. Umgekehrt könnte eine weitere Offenlegung möglicherweise weitere Anleger anlocken, weil sie nachvollziehen könnten, in welcher Weise die Renditen erwirtschaftet werden.

Hedge-Fonds-Manager geben oft zu bedenken, daß ihre Fonds bereits reguliert seien (wenn auch indirekt), da sie nicht ohne Unterstützung von Banken tätig werden dürfen. Wie fast überall in der Welt werden Banken streng reguliert und aufmerksam überwacht. Auch die Anti-Betrugs-Bestimmungen des amerikanischen Wertpapiergesetzes von 1933 und des amerikanischen Börsengesetzes von 1934 sowie die staatlichen Gesetze gegen Anlegerbetrug gelten für Hedge-Fonds und ihre Tätigkeiten. Zur Abwehr möglicher Eingriffe durch die Aufsichtsbehörden haben manche Hedge-Fonds auch mit der Umsetzung von Qualitätsstandards begonnen, wie sie etwa von Nonprofit-Gruppen wie The Greenwich Roundtable entwickelt wurden.

In Großbritannien sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Hedge-Fonds jedoch ganz anders als in den Vereinigten Staaten. London und New York sind bei weitem die aktivsten Hedge-Fonds-Reviere der Welt. Die British Financial Services Authority verlangt Informationen über die Compliance-Systeme und Risikokontrollen der Hedge Fonds sowie die Veröffentlichung von Jahresberichten.

Die größeren Hedge-Fonds „werden von den Behörden genauer überprüft, unter anderem auch durch Kontrollbesuche“, heißt es im Economist vom 2. September 2006. Darüber hinaus stellt die British Alternative Investment Management Association fest, daß „Hedge-Fonds - da sie risikobewußter sind - oft präziser und detaillierter über die von ihren eingegangenen Risiken Auskunft geben können als traditionelle Manager, auch weil es bei ihnen nicht das übliche Interesse an der Verheimlichung der Risikokriterien gibt.“

Wie kam es zu dem Wachstum der Hedge-Fonds-Branche in jüngster Zeit?

Hedge Fonds wurden nicht gerade über Nacht zur Sensation. Selbst Anfang der 1990er Jahre hatten sie noch nicht in nennenswerter Weise den Weg ins Innenleben des Finanzmarktes gefunden. Die weltweiten Märkte befanden sich in den Anfängen eines der größten Anlagebooms aller Zeiten, und zu diesem Zeitpunkt waren Investmentsfonds mit ihren hohen zweistelligen Renditen die Anlageinstrumente der Wahl.

Die Coming-out-Party für Hedge-Fonds begann Ende der 90er Jahre mit Namen wie George Soros und Julian Robertson in der ersten Reihe. Geschichten darüber, wie diese „geheimnisvollen“ Manager es schafften, „die Bank von England zu sprengen“ und Hunderte von Millionen Dollar zu verdienen, nahmen die Phantasie von Anlegern gefangen, die dank des Haussemarktes auf einem Haufen Geld saßen.

Erst in der darauf folgenden Marktrückgangsphase jedoch kamen die Hedge-Fonds erst wirklich zu Ehren. Als die Anleger die Gewinne mehrerer Jahre fast über Nacht verloren, stellten sie fest, daß die Hedge-Fonds sogar noch Geld verdienten oder im allgemeinen weit weniger verloren als ihre Anlagealternativen.

                                                                                  Quelle: faz.net

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